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Tatort Treppenhaus – Wenn Hundegebell, Zigarettenqualm und Kinderwägen den Hausfrieden stören

 

 

Hundegebell, Zigarettenqualm und Kinderwägen im Hausflur sorgen oft für Streit zwischen Nachbarn. Was Mieter ihrer Umwelt zumuten dürfen und wann Rücksicht geboten ist, wissen viele nicht. Hier sind die Antworten zu den wichtigsten Fragen.

Hundegebell, Treppenhaus, Foto: fottoo/fotolia.com
Tatort Treppenhaus: Hundegebell, Zigarettenqualm und abgestellte Kinderwägen sind oft Anlass für Ärger. Foto: fottoo/fotolia.com Foto: fottoo/fotolia.com

Die meisten Deutschen kommen gut mit ihren Nachbarn aus – aber Hundegebell, Zigarettenqualm und Kinderwägen im Treppenhaus gehen vielen gehörig auf die Nerven. Das zeigt die repräsentative Studie „Wohnen und Leben 2014“ von immowelt.de. Was Mieter ihrer Umwelt zumuten dürfen, ist deshalb Dauerthema bei den Gerichten. Hier sind die wichtigsten Urteile im Überblick.

Wie viel Hundegebell ist zumutbar?

Wer es sich gerade mit einem Buch auf dem Sofa bequem gemacht hat, dem können kläffende Hunde aus der Nachbarschaft gewaltig  auf den Keks gehen. Gelegentliches Hundegebell gehört nach Einschätzung des Amtsgerichts Hamburg zum normalen Geräuschspektrum eines Mehrfamilienhauses (AZ.: 49 C 165/05). Nachts und in der Mittagszeit sollten Hundehalter allerdings darauf achten, dass sich Wastel, Bello und Co. möglichst ruhig verhalten. Besonders in diesen Zeiten können langanhaltende Bellattacken den Tatbestand einer Ordnungswidrigkeit erfüllen (Bayerischer VGH 10 AS 10.1074 und 10 ZB 10.516; LG Mainz, Az.: 6 S 87/94). Genervte Mieter haben in solchen Fällen das Recht, die Miete zu mindern. Hierfür ist nach Ansicht des Bundesgerichtshofs nicht einmal ein „Bellprotokoll“ nötig, das im Einzelnen dokumentiert, wann und wie lange der Hundelärm gedauert hat. Eine allgemeine Beschreibung genügt (BGH VIII ZR 268/11).

 
 
Hundegebell

Kläffende Hunde: In extremen Fällen droht die Kündigung

Im Alltag ist es oft schwierig einzuschätzen, wie viel Hundegebell normal ist und ab wann der Lärm zur Belästigung wird. Es empfiehlt sich deshalb, zu allererst mit dem Herrchen des Kläffers persönlich zu sprechen, um im Guten eine Lösung zu finden. Nutzen alle Gespräche nichts, gibt es mehrere Wege, sich gegen die Geräuschbelästigung zur Wehr zu setzten. Besonders bei nächtlicher Ruhestörung können Nachbarn die Polizei einschalten, diese verfolgt dann eine mögliche Ordnungswidrigkeit. In Mietshäusern gilt: Wird die Hausgemeinschaft dauerhaft vom Gejaule des Nachbarhundes gestört, kann der Vermieter den Hundebesitzer abmahnen und auffordern dem Lärm ein Ende zu machen. In extremen Fällen und wenn von den Hunden weitere Störungen wie Gestank oder Verunreinigungen ausgehen, können Mieter sogar fristlos gekündigt werden (AG Potsdam, Az.: 26 C 76/00).

 
 
Hundegebell

Rauch im Treppenhaus – Grund zur Mietminderung?

Für viele gibt es nichts Ekligeres: Der Geruch von kaltem Rauch im Hausflur. In der eigenen Wohnung und auf dem zugehörigen Balkon ist das Rauchen grundsätzlich erlaubt. Nachbarn müssen es jedoch nicht hinnehmen, wenn der blaue Dunst durch Treppenhaus oder geöffnete Fenster in deren Wohnung zieht. Mieter, die aus solchen Gründen die Miete gemindert haben, bekamen in der Vergangenheit häufig Recht. Die Gerichte befanden einen Satz von fünf Prozent als angemessen (LG Hamburg, Az.: 311 S 92/10; AG Lübeck, Az.: 27 C 1549/13).

 
 

Dürfen Kinderwägen im Hausflur stehen?

Eltern kennen das Problem: Ständig liegen ihnen Nachbarn oder Viermieter in den Ohren, die Kinderwägen ihrer Kleinen doch bitte im Keller oder der eigenen Wohnung abzustellen, anstatt im Hauseingang. Dass Mütter und Väter neben ihren Babys auch noch Kinderwägen treppauf und treppab schleppen sollen, fanden zahlreiche Richter allerdings unzumutbar. Kinderwägen dürfen somit im Hausflur stehen, wenn keine unangemessene Einschränkung vorliegt und genügend Platz ist, um an den abgestellten Wägen vorbeizugehen. Das gilt selbst dann, wenn Hausordnung oder Mietvertrag dies verbieten (AG Düsseldorf, Az.: 22 C 15963/12; LG Berlin, Az.: 63 S 487/08).

 
 

Quelle: Elisabeth Seefried

13.06.2014